Foto und Figur: Michael Mahlke

Foto und Figur: Michael Mahlke

Auch in der Fotografie stellt der neue Zeitgeist die alten Fragen

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Mir kommt vieles so bekannt vor.

Als ich vor über 30 Jahren Seminare zum Thema „Global denken – vor Ort handeln“ gab formulierten wir immer die Fragen, die heute Wirklichkeit geworden sind. Dazu gehörte, was machen wir eigentlich, wenn es eine Klimaveränderung gibt oder was machen wir, wenn auf einmal 10 oder 100 Millionen arme Asiaten und Afrikaner vor unserer Haustür stehen?

Das hat damals fast niemand interessiert außer klugen Hausfrauen und Müttern und interessiert heute im Grunde auch niemand solange es eine Straße weiter weg passiert.

Aber nun ist es vor der eigenen Haustür.

Als der Maya-Kalender vor ein paar Jahren zu Ende ging schrieb ich über das Fotografieren nach dem Weltuntergang.

Aber es ist nicht so daß wir mit einem dicken Bumm getötet und erlöst werden oder die Außerirdischen uns unsere fehlende Charakterstärke abnehmen und wir wieder Helden spielen dürfen.

Niemand tut uns den Gefallen und nimmt uns die Verantwortung für unser Handeln ab. Daran kann man verbittern und mit Haltung sterben. Aber sterben muß man sowieso. Und die Welt ändern können wir auch nicht.

Das Soziale ist das Schicksal des Menschen.

Das ist die Bedingung unserer Existenz.

Und das Asoziale in jeder Form (Entfremdung, Ungerechtigkeit …) prägt unser Schicksal.

Nun werden die Fragen von damals neu gestellt, auch in der Fotografie.

In der aktuellen photonews 12/15 ist ein schöner Bericht über fotografische Projekte mit Flüchtlingen. Da kommen nun  Millionen und darüber will man außerhalb der Ereignisfotos berichten. Doch nun stellt man fest, sobald aus dem Flüchtling auf dem Weg ein Asylbewerber und Hartz 4 Bezieher wird, ist die Zurückhaltung unter den Angekommenen ausgesprochen groß.

Angst, Verfolgung, Illegalität? Wer weiß warum.

Aber über eines der aktuellsten Probleme wird so gut wie gar nicht fotografisch berichtet, weil die Asylbewerber dann bekannt werden und nicht wissen, ob das gut ist und weil die Fotografen damit weder Geld noch Anerkennung verdienen können.

Der Zugang zu Flüchtlingen ist für Journalisten nicht leicht und Geld verdienen läßt sich mit fotografischem Engagement kaum.

Die Wirklichkeit als Verlustgeschäft? – Das kenne ich doch irgendwo her.

Armutsfotografie und Opferfotografie sind heute billig zu haben und werden nicht mal umsonst abgedruckt. Auch die soziale Frage ist wieder da aber interessiert nur noch als Element für profitable Dienstleistungen statt nach dem Weg zur Abschaffung zu fragen.

(Würden z.B. in Deutschland nur die Hartz4 Sätze auf 500 Euro angehoben pro Person und die Renten bei mind. 850 Euro liegen wären Milliarden an Einsparungen möglich, weil weder Tafeln noch Armutsbetreuer noch Krankenkassenleistungen als Folgeerscheinungen ausufernder Armut benötigt würden. Aber die Gesundheitsindustrie, die Sozialarbeiterindustrie und die Heimindustrie und viele mehr verdienen andersrum mehr.)

Zeitgeist?

Methodisch ist es wie in der Mode: Neue Kollektionen für dieselben Bedürfnisse der Menschen nach Schönheit, Sicherheit, Sexualität, Anerkennung etc. sind die eine Seite.

Die andere Seite sind die Inhalte. Die ändern sich nicht – nur die Regionen und Ereignisse, aber die Fragen von Macht, Gewalt. Herrschaft und Religion bestimmen weiter die Welt.

Weil es den großen Bumm nicht gibt, der alles auslöscht, müssen wir nun selbst unseren Scheiß fressen: atomverseuchte Fische, Technik, die uns verstrahlt, Autos, die die Luft verpesten, Landwirtschaft, die unser Wasser vergiftet und vieles mehr. Das ist so real wie z.B. Fukushima, VW-Abgasskandal und Gülle im Trinkwasser. Und was in der Welt sonst noch so passiert wissen wir gar nicht so genau. Da ist aber noch viel mehr.

Das wäre vermeidbar wenn … ja wenn.

Es interessiert nicht weil die Menschen meistens anders orientiert sind.

„Oberstes Ziel ist das Überleben, gefolgt von Sex.“

Zehn Jahre habe ich dies hier alles fotografisch theoretisch und praktisch verfolgt und immer wieder aufgeschrieben.

Als bezahlter Chronist würde ich wahrscheinlich weitermachen, aber das ist kein Projekt das bisher öffentlich gefördert wird.

Daher wird 2016 anders sein.

Astrologisch ist die Großwetterlage eindeutig. Es wird weiter unglaubliche Konflikte geben und man darf nicht vergessern, als Saturn das letzte Mal in Schütze war, gab es Glasnost und am Ende den Fall der Mauer. Das ist die Zeitqualität.

Die Themen sind ähnlich, die Akteure neu und alt, das Ende ist noch nicht absehbar. Man stelle sich vor am Ende steht der Fall der Mauern von Europa.

Ach so, das hatten wir ja gerade schon.

Ich bitte um Verzeihung für meinen leisen Zynismus, aber er gehört auch dazu.

Was wird der Zeitgeist zeigen und was für Fotos werden dabei rauskommen und gezeigt werden?

Höre ich auf zu schreiben und/oder schreibe ich mit Fotos visuell weiter?

Ändere ich meinen Weg?

Weg oder weg?

Wie sagte Seneca?

„Wenn du in dein Schicksal einwilligst, wird es dich leiten, wenn nicht, tut es dir Zwang an.“

Bis dann!

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