Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Tote Fotos und lebendiges Fotografieren

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„Wir machen Fotos, damit das Schöne möglichst konserviert wird“, schreibt Maren Schneider in „Der kleine Alltags-Buddhist“.

„Ich habe noch auf keiner Fotografie einen natürlich und das heißt, einen wahren und wirklichen Menschen gesehen, wie ich noch auf keiner Fotografie eine wahre und wirkliche Natur gesehen habe. Die Fotografie ist das größte Unglück des zwanzigsten Jahrhunderts“, schreibt Thomas Bernhard.

Und nun?

Wenn dies so stimmt, dann ist das Foto eine Art Leiche und Fotografieren so etwas wie eine Beerdigung.

Stimmt das denn so?

„Die Fotografie wird auch zu einem Zeichen für die künstlerische Vorgangsweise im Allgemeinen, also für das Überführen lebendiger in den Alltagsfluss eingebauter Menschen in ein erstarrtes Bild. In der Kunst werden also Menschen auf bestimmte Bilder festgeschrieben, oder in bestimmten Bildern eingefangen“, sagt der Bernhard-Experte Manfred Mittermayer.

Und Maren Schneider schreibt über

  • Bewußtsein,
  • Achtsamkeit,
  • Lebendigkeit,

die das Gegenteil von toten Fotografien sind.

Alle Aussagen stimmen, beschreiben aber nicht alles.

Denn das Fotografieren als Tätigkeit kann genau den Zustand der Achtsamkeit herbeiführen, um den es geht.

Heinz Peter Schwerfel hat dies sehr schön am Beispiel von Henri Cartier-Bresson beschrieben:

„Seither hat Cartier-Bresson, in erster Ehe lange mit einer Javanerin verheiratet, heute interessierter, wenn auch nicht praktizierender Buddhist, seine Rolle als Fotograf immer mit der fernöstlichen Kunst des Bogenschießens verglichen: Beim Spannen des Bogens vergißt der Schütze über dem Zielen die Zielscheibe. Nicht auf das schnelle Schießen kommt es an, sondern auf das konzentrierte Zielen, durch das der Schütze eins wird mit der Beute, dem Motiv. Cartier-Bresson verstand sich selbst als einen wachsamer Jäger, der aber von sich sagt: Nicht ich schieße ein Foto, sondern das Foto schießt mich. Ein philosophischer Voyeur, der den Zufall vorauszuahnen weiß. Und ihm gerade dadurch keine Chance läßt.“

Der Weg ist das Ziel.

Insofern ist die Teilnahme an Wettbewerben für das „beste“ Foto völlig sinnlos, wenn man das Fotografieren in diesem Sinne versteht.

Aber es wäre auch sinnlos ohne Film bzw. ohne Chip zu fotografieren, weil man ja irgendwann wissen will, ob dies auch funktioniert hat. Natürlich ist das Ergebnis wieder ein totes Foto – das aber in der gespeicherten Erinnerung diesen bewussten Moment wieder hervorrufen kann.

Es kommt eben darauf an unterwegs zu sein.

Wenn du am Ziel bist, ist es vorbei.

Sehen Sie diesen Artikel bitte im Zusammenhang mit diesem hier.

Bis dann!

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